Südwest-Jusos werfen CDU-Kulturministerin Eisenmann Planlosigkeit vor

Südwest-Jusos werfen CDU-Kulturministerin Eisenmann Planlosigkeit vor

Die Jusos Baden-Württemberg üben scharfe Kritik am Krisenmanagement der baden-württembergischen CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann. „Noch immer liegt weder ein Plan noch sonst irgendein Konzept vor, wie es mit unseren Schulen und Bildungseinrichtungen weitergehen soll“, so der Jusos-Landesvorsitzende Pavlos Wacker und ergänzt: „Die Schüler*innen und Lehrer*innen brauchen endlich Handlungssicherheit und Perspektiven. Wir sollten jetzt in alle Richtungen denken und das tun, was pädagogisch sinnvoll ist. Frau Eisenmann agiert aktuell vollkommen planlos“. Viele Länder gingen bereits mit deutlich progressiveren Beispielen voran.

Die Jusos Baden-Württemberg sprechen sich deshalb für die Absage der diesjährigen Abschlussprüfungen und ein sogenanntes Durchschnittsabitur aus. „Die Veränderung der Noten durch die tatsächlichen Prüfungen sind ohnehin gering“, so der angehende Pädagoge und stellvertretende Juso-Landesvorsitzende Luca Baumann. Den Hauptteil des Abiturs machten die Noten der beiden Schuljahre aus. „Es geht hier schlicht und ergreifend um Bildungsgerechtigkeit“, ergänzt Wacker. Viele Schüler*innen hätten eben nicht dieselben Voraussetzungen beim Lernen zuhause. Online zu lernen sei zumeist nur eingeschränkt möglich. Und nicht nur zwischen Schulen, sondern auch zwischen einzelnen Klassen einer Schule gebe es Unterschiede.

Die Bundeskoordinatorin der Juso-Schüler*innen und & Azubis, Nadja Fakesch bemängelt: „Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass jede*r Schüler*in ein digitales Endgerät besitz, ausreichend Raum zum Lernen zur Verfügung steht oder Unterstützung von den Eltern erhält. Die jetzige Situation kann für Schüler*innen sehr belastend sein, insbesondere, wenn Abschlussprüfungen anstehen.“

Ebenso denkbar wie ein Durchschnittsabitur seien freiwillige Prüfungen für Schüler*innen, die ihre Noten verbessern wollten. Sollte die Kultusministerin Eisenmann an ihren Plänen festhalten, sei dies zwar ein schwerer Fehler. Trotzdem könnte auf die Bedürfnisse der Schüler*innen stärker Rücksicht genommen werden. Baden-Württemberg sollte dementsprechend Aufgaben aus dem zentralen Pool der Prüfungsfragen möglichst durch dezentrale Aufgaben ersetzen. „Am Ende sind alle anderen Optionen besser als die planmäßige Durchführung der Abschlussprüfungen“, resümiert Baumann und betont: „Jetzt besteht noch die Möglichkeit, um den Wünschen von Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern nachzukommen.“ Letztendlich entscheidend sei, dass die Kultusministerkonferenz auf Grundlage des Hamburger Abkommens für die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse sorge.

Kultusministerin Eisenmann müsse aus der Krise zudem nun die richtigen Schlüsse ziehen. So fordern die Jusos, Abschlussprüfungen langfristig zu überdenken. „Wir müssen darüber diskutieren, ob es noch zeitgemäß ist, dass in ein paar Stunden in einer Woche die Entscheidung über den gesamten Lebensweg einer Person fällt“, so Baumann. Die Befähigung der Schüler*innen zeige sich viel stärker in den konstanten Leistungen der Jahre zuvor.

Dazu gehöre auch die Einsicht, dass Digitalisierung mehr als ein Smartboard im Klassenzimmer bedeute. Bisher sei mit dem Digitalpakt vor allem die digitale Ausrüstung der Schulen selbst finanziert worden und erst in einem zweiten Schritt Klassensätze mit mobilen Endgeräten, etwa Tablets. Bereits Ende März hätten Kultusministerkonferenz (KMK) und Bundesbildungsministerium 100 Millionen Euro aus dem Digitalpakt für Aufbau und Verbesserung von Lernplattformen bereitgestellt. „Dass die Bundesregierung nun mit 500 Millionen Euro bedürftige Schüler*innen beim Erwerb von Tablets und Laptops finanziell unterstützen und Online-Lehrangebote ausbauen möchte, ist ein wichtiger Schritt. Entweder müssen aber allen bedürftigen Schüler*innen digitale Endgeräte durch die Schule per Leihe zur Verfügung gestellt oder die Fördersumme von 150 Euro pro Schüler*inn erhöht werden. Viele Familien können den entsprechenden Eigenanteil nämlich kaum erbringen“, stellt Baumann fest. Dafür müssten in Zukunft digitale Lerninhalte, Online-Plattformen und digitale Endgeräte für Schüler*innen durch den Digitalpakt dauerhaft stärker gefördert werden. Hierfür seien dessen Förderrichtlinien anzupassen. Mit diesen Maßnahmen könnten neue Unterrichtsmodelle implementiert werden, Unterricht, nicht nur in Krisenzeiten, dezentriert auch außerhalb des Klassenzimmers stattfinden und Schüler*innen sich beispielsweise mit Lernvideos auf die anstehenden Schulstunden vorbereiten.

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