Die Eröffnung des Durchgangsbahnhofs in Stuttgart wird erneut verschoben
geschrieben von Jana Katharina Sonntag /// Kreisverband Schwarzwald-Baar-Kreis, Kontra, Jusos Baden-Württemberg
Die Eröffnung des neuen Durchgangsbahnhofs in Stuttgart verzögert sich offenbar erneut deutlich. Das Großprojekt Stuttgart 21, das ursprünglich Ende 2026 in Betrieb gehen sollte, wird nach aktuellen Medienberichten voraussichtlich erst Ende 2031 vollständig eröffnet. Damit rückt die Fertigstellung eines der bekanntesten und umstrittensten Infrastrukturprojekte Deutschlands erneut um mehrere Jahre nach hinten.
Nach Informationen des Tagesspiegels aus Bahnkreisen und aus dem Umfeld des baden-württembergischen Verkehrsministeriums soll der neue Termin aus einer umfassenden Neubewertung des Projekts hervorgehen. Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über die erneute Verschiebung berichtet. Die Zeitung berief sich dabei auf Personen, die mit dem Projekt vertraut sind. Eine offizielle Bestätigung der Deutschen Bahn gibt es bislang nicht.
Ein Bahnsprecher erklärte, man äußere sich nicht zu Spekulationen. Die Deutsche Bahn werde die Öffentlichkeit nach dem Stuttgart-21-Lenkungskreis Ende Juni über das neue Inbetriebnahme Konzept informieren. Die Sitzung des Lenkungskreises ist für den 26. Juni angesetzt. Erst danach dürfte klarer werden, wie der künftige Zeitplan offiziell aussehen soll und welche Teile der neuen Infrastruktur wann genutzt werden können.
Als Ursache für die neue Verzögerung gelten vor allem technische Probleme. Besonders schwierig ist demnach die geplante digitale Zugsteuerung im neuen Stuttgarter Bahnknoten. Stuttgart 21 soll als bundesweites Pilotprojekt vollständig mit dem europäischen digitalen Zugsteuerungssystem ETCS betrieben werden. Dieses System soll Züge künftig präziser steuern, die Leistungsfähigkeit des Netzes erhöhen und klassische Signale weitgehend ersetzen. Gerade weil der Bahnknoten Stuttgart an vielen Stellen unterirdisch verläuft und besonders komplex ist, stellt die Umsetzung jedoch hohe Anforderungen an Planung, Technik und Sicherheit.
Neben der digitalen Leit- und Sicherungstechnik gibt es Berichten zufolge auch Probleme mit der Notstromversorgung des neuen Tiefbahnhofs. Sie ist für den sicheren Betrieb eines unterirdischen Bahnhofs von zentraler Bedeutung. Wenn sicherheitsrelevante Anlagen nicht zuverlässig funktionieren, kann ein Bahnhof dieser Größenordnung nicht regulär in Betrieb genommen werden. Hinzu kommen Hinweise auf weitere bauliche und technische Mängel, die nun offenbar nachgearbeitet werden müssen.
Die erneute Verschiebung ist für die Deutsche Bahn besonders heikel, weil Stuttgart 21 seit Jahren als Symbol für die Modernisierung des Bahnverkehrs, aber auch für Kostensteigerungen, Bauprobleme und politische Auseinandersetzungen steht. Das Projekt soll den bisherigen Kopfbahnhof durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof ersetzen und den Bahnknoten Stuttgart neu ordnen. Befürworter versprechen sich davon langfristig kürzere Fahrzeiten, mehr Kapazität und eine bessere Anbindung der Region. Kritiker verweisen dagegen seit Jahren aufsteigende Kosten, lange Bauzeiten und Risiken für den laufenden Bahnverkehr.
Für Fahrgäste in Stuttgart und der Region bedeutet die Verzögerung, dass sie weiterhin mit Einschränkungen rund um den Hauptbahnhof leben müssen. Baustellen, Umwege und veränderte Wegeführungen prägen den Alltag vieler Reisender bereits seit Jahren. Dennoch soll es nach den bisherigen Informationen schon vor der vollständigen Eröffnung erste Verbesserungen geben. Die Deutsche Bahn plant demnach eine gestaffelte Inbetriebnahme. Ende 2027 könnten erste Bereiche des Projekts genutzt werden und damit zumindest teilweise Entlastung bringen.
Ob dieser Zeitplan Bestand hat, wird sich jedoch erst nach der offiziellen Vorstellung des neuen Inbetriebnahme Konzepts zeigen. Fest steht schon jetzt: Stuttgart 21 bleibt ein Projekt mit großer politischer, technischer und finanzieller Sprengkraft. Die mögliche Verschiebung auf Ende 2031 zeigt, wie anspruchsvoll der Umbau eines zentralen Bahnknotens im laufenden Betrieb ist. Für die Bahn wächst damit der Druck, nachvollziehbar zu erklären, warum es erneut zu Verzögerungen kommt und wie weitere Risiken künftig vermieden werden sollen.
Bis dahin bleibt offen, wann Reisende den neuen Tiefbahnhof tatsächlich vollständig nutzen können. Klar ist aber: Aus dem ursprünglich für 2026 geplanten Start ist ein deutlich längerer Weg geworden. Sollte sich der Termin Ende 2031 bestätigen, würde Stuttgart 21 erst viele Jahre später als zuletzt erwartet seinen regulären Betrieb aufnehmen.
