We need Pride!
geschrieben von Leandro /// Kreisverband Böblingen, Kontra, Jusos Baden-Württemberg
Es ist Pride Month. Pride bedeutet nicht nur Sonne, Alkohol und Musik, sondern auch
politischer Streik. Oft wird queerer Protest als „zu laut“ und „überflüssig“ empfunden.
Nicht selten bekomme ich aus konservativen Kreisen zu hören, warum es den Pride
Month überhaupt noch gibt. Ich glaub die Sprüche sind uns allen bekannt: „Schwule
können doch schon heiraten“, „Hier gibt es doch keine Todesstrafe“ oder „Warum gibt es
keinen Monat für Heteros?“. Was ihnen entgegen? Warum bleibt Pride heute noch
wichtig?
Vorab: Ursprung des Christopher Street Day (CSD) liegt in den sogenannten Stonewall
Aufständen in New York City im Juni 1969. In der Nacht vom 28. Juni 1969 führte die
Polizei eine Razzia in der Stonewall Inn durch, einer Bar, die ein wichtiger Treffpunkt für
queere Menschen war. Polizeirazzien gegen solche Lokale waren damals häufig. Diesmal
wehrten sich die Gäste jedoch gegen die Verhaftungen. Insbesondere schwarze
transgeschlechtliche Personen führten diesen Aufstand an. Dank ihnen können auch
andere Teile der queeren Community heute ihre Rechte genießen. Die Proteste
entwickelten sich zu mehrtägigen Unruhen und Demonstrationen. Ein Jahr nach den
Aufständen, am 28. Juni 1970, zogen Tausende Menschen bei der ersten Pride
Demonstration durch New York City. Parallel fanden ähnliche Veranstaltungen in Los
Angeles, Chicago und anderen Städten statt. Es folgten andere Regionen auf der Welt.
Darunter 1979 Berlin, Köln und Stuttgart. Die Entstehungsgeschichte der CSDs darf nicht
vergessen werden. Denn sie zeigen den Jens Spahns und Alice Weidels dieser Welt, die
sich nicht als queer bezeichnen wollen, weil alles außer Homosexualität zu „woke“ sei,
dass schwarze Trans-Personen der Grund dafür sind, das sie in Freiheit lieben und leben
können.
Pride bleibt heute noch politisch. Nicht nur weil wir uns in Deutschland glücklich
schätzen können, sichtbar auf CSDs zu sein, ohne dass staatliche Repressionen drohen,
sondern auch weil in Staaten dieser Welt immer noch die Todesstrafe droht. Etwa 64
Länder kriminalisieren einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen. In zu vielen
Staaten ist queer zu sein lebensbedrohlich. Auch in Deutschland ist queeres Leben
bedroht. Die Angri e auf queere Menschen nehmen zu. Die politische Solidarität wird
immer leiser, während der Hass und die Hetzte immer lauter wird. Unser Kanzler
behauptet der Deutsche Bundestag sei kein Zirkuszelt, um damit zu begründen, dass die
Regenbogenflagge nicht mehr im Pride Month weht und in Sachsen-Anhalt steht eine
Partei kurz vor der absoluten Mehrheit, die die Ehe für alle wieder abscha en möchte.
Eine Partei, die die „Regenbogentyrannei“ an deutschen Schulen beenden möchte. Eine
Partei, die ein gesellschaftliches Kima befeuert, das dafür sorgt, dass man im ländlichen
Raum um sein Leben fürchten muss, wenn man im Pride Month von der Demo wieder
nach Hause geht.
Solange man auf dem Schulhof als „Schwuchtel“ bezeichnet, bespuckt oder anders
aufgrund seiner Sexualität oder Identität beleidigt wird, solange Politiker:innen queeres
Leben dämonisieren, solange Kinder auf der Straße landen, weil sie lieben, solange
queere Jugendlichen sich lieber für den Tod als für das Leben entscheiden, brauchen wir
den Pride Month. So lange brauchen wir uns Jusos auf der Straße. So lange brauchen wir
so viele Verbündete wie möglich an unserer Seite.
Man muss nicht queer sein, um auf einen CSD zu gehen und man wird nicht queer nur
weil man auf einem war. Es ist Zeit Farbe zu bekennen: überparteilich, „zu laut“ und bunt.
Lasst uns gemeinsam unbequem sein.
